Wie kann ich verhindern, dass sich mein Kind verschluckt?
Nach vielen Kursen, in denen wir sowohl Notfälle bei Erwachsenen als auch zahlreiche Kindernotfälle besprochen und praktisch trainiert haben, können wir eines ganz klar sagen: Eine der grössten Ängste von Eltern und Betreuungspersonen ist, dass sich ein Kind verschluckt.
Das erleben wir sowohl in unseren Kursen für Kitas als auch in Kindernotfallkursen mit Eltern und Grosseltern.
Und diese Angst können wir sehr gut nachvollziehen.
Man sitzt gemeinsam am Mittagstisch, zu Hause mit der Familie oder in der Kita. Die Kinder essen, es wird gesprochen und plötzlich verschluckt sich ein Kind stark.
Der erste Impuls ist verständlicherweise: sofort eingreifen.
Doch bevor wir darüber sprechen, was im Ernstfall zu tun ist, lohnt es sich, einen Schritt vorher anzusetzen. Denn beim Thema Verschlucken können wir bereits mit einfachen Massnahmen im Alltag einiges zur Prävention beitragen.
Warum die Sitzposition so wichtig ist
Kinder sollten beim Essen möglichst aufrecht sitzen.
Gerade bei kleineren Kindern im Hochstuhl ist zusätzlich wichtig, dass die Füsse stabil abgestützt werden können. Eine Fussstütze gibt dem Kind Stabilität und unterstützt es dabei, beim kräftigen Husten die notwendige Körperspannung aufzubauen.
Denn wenn Nahrung in die Atemwege gelangt, ist Husten ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers.
Deshalb achten wir nicht nur darauf, was ein Kind isst, sondern auch darauf, wie es beim Essen sitzt.
Kinder beim Essen nicht alleine lassen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Aufsicht.
Wenn ein Kind einen vollständigen Atemwegsverschluss hat, kann es möglicherweise nicht mehr rufen oder sich akustisch bemerkbar machen.
Deshalb sollten gerade kleinere Kinder beim Essen nicht unbeaufsichtigt sein.
Es geht dabei nicht darum, jede Mahlzeit angespannt zu beobachten. Es geht darum, in der Nähe zu sein und reagieren zu können, wenn etwas passiert.
Essen und Trinken müssen gelernt werden
Was für uns Erwachsene völlig selbstverständlich erscheint, müssen Kinder erst lernen.
Essen, Kauen und Schlucken sind Fähigkeiten, die sich entwickeln.
Deshalb hilft eine ruhige Essenssituation. Kinder sollten sich zum Essen hinsetzen und möglichst nicht gleichzeitig herumlaufen, rennen, spielen oder auf einer Schaukel sitzen.
So kann sich das Kind auf das Essen, Kauen und Schlucken konzentrieren.
Lebensmittel richtig vorbereiten
Auch die Form und Konsistenz von Lebensmitteln spielen eine wichtige Rolle.
Besonders vorsichtig sollte man beispielsweise bei Trauben und Cherrytomaten sein. Die Atemwege eines kleinen Kindes haben einen deutlich kleineren Durchmesser als die eines Erwachsenen. Runde Lebensmittel können deshalb besonders problematisch sein.
Trauben und Cherrytomaten sollten entsprechend kindgerecht vorbereitet und beispielsweise längs geteilt bzw. geviertelt werden.
Und was ist mit Popcorn?
Popcorn ist bei Kindern besonders beliebt und gleichzeitig ein Lebensmittel, bei dem Vorsicht sinnvoll ist.
Aufgrund seiner Beschaffenheit kann es für kleine Kinder problematisch sein. Deshalb sollte man die altersabhängigen Empfehlungen berücksichtigen und Popcorn kleinen Kindern nicht einfach wie einen gewöhnlichen Snack anbieten.
Und genau hier zeigt sich etwas, das uns in unseren Kindernotfallkursen besonders wichtig ist:
Gute Erste Hilfe beginnt nicht erst in dem Moment, in dem ein Notfall passiert.
Sie beginnt bereits vorher.
Mit Wissen. Mit Aufmerksamkeit. Mit einer sicheren Umgebung. Und mit kleinen Anpassungen im Alltag, die dazu beitragen können, Risiken zu reduzieren.
Denn natürlich können wir nicht jeden Kindernotfall verhindern.
Aber wir können einiges dafür tun, dass manche Situationen gar nicht erst entstehen.
Simone Mohr
Simone Mohr ist Anästhesie-Expertin und Gründerin von MOHRCARE®. Mit ihrem Team bringt sie medizinische Expertise direkt in Unternehmen und Familien.
